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De veritas

De veritas - über die Wahrheit.

 

In aller Kürze: Du sollst Lügen!

(Der interessierte Leser möge sich dem Text widmen, dem Rest darf dieser Ausspruch genügen.)

 

Wahrheit ist die detailgenaue Wiedergabe von Ereignissen, das ehrliche Aussprechen eines Gefühls oder auch einfach nur: Das Wahre. Oftmals ist die Wahrheit heute eine Hure des Sprechenden, zurechtgebogen oder gekürzt. Oftmals bleibt von ihr nichts anderes als das Gegenteil übrig - die Lüge.

 

In der Bibel wird gefodert "Du darfst nicht lügen" - was keineswegs äquivalent ist mit "Sag immer die Wahrheit". Nicht umsonst wird über "Halbwahrheiten" und "unwichtige" Details gesprochen, die je nach (Eigen)nutzen gezielt weggelassen werden. 

 Die Lüge hat eine negative Konnotation, während die Wahrheit das Positive schlechthin ist. Dennoch können beide Formen zum Nutzen anderer oder auch zum ausschließlichen Selbstzweck eingesetzt werden. Beide, sowohl die Lüge als auch die Wahrheit sind wie ein zweischneidiges Schwert, dass durch Gefühle, Gedanken und den Glauben schneidet.

 Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied: Verwendet man die Lüge, egal zu welchem Zweck, so wird in naher Zukunft die Lüge enttarnt werden als eben solche. Je nach Standpunkt des Entdeckenden ist der Lügner dann entweder ein Schuldiger (und noch viel schlimmer: ein schuldiger Lügner) oder jemand, der um seinetwillen die "Sünde" der Lüge auf sich genommen hat (also, sehr übertrieben, ein "Ritter". Dies führt dazu, dass sich vor allem diese beiden Extrema - der "Gute" und der "Böse" in der Lüge wiederfinden.

Betrachten wir die Wahrheit unter den gleichen Aspekten: Sagt jemand die Wahrheit, so berichtet er stets von Tatsachen. Nichts daran ist "unter anderen Aspekten" zu sehen - denn das wäre schon eine Form der "Halbwahrheit", keine neutrale Wiedergabe. Nehmen wir an, jemand könnte all seine Wünsche und Gefühle unterdrücken und neutral die Wahrheit berichten. Fühlt sich der Gegenüber dadurch benachteiligt, kann er ihn nicht der Lüge bezichtigen, man erhält sich seine Reputation. Ist es ihm (dem Gegenüber) allerdings von Vorteil, dass man die Wahrheit sagt, so fühlt er sich von einem nicht sonderlich erbaut. Man sagt ja "nur" die Wahrheit.

 Um dies zu analysieren möchte ich kurz auf eine Sache hinweisen: Man lügt oder sagt die Wahrheit oft 

- zum eigenen Vorteil

- zum Vorteil anderer.

Genausogut passt der obige Satz auch zu negativen Konsequenzen.

 

Daraus folgert dann: Ist jemand ein Lügner und lügt er zu seinem Vorteil und / oder zum Nachteil anderer, so wird er geächtet werden. Mit jeder Lüge ein bisschen mehr. Gleichzeitig schlagen Lügen auf das Gewissen des Lügners. Lügt aber jemand zu seinem Nachteil, zum Schutz oder zum Vorteil eines Anderen und der Gegenüber erkennt das, so wird er als "guter" Mensch gesehen. Die Lüge wird auch nicht auf seinem Gewissen lasten, insofern er nicht einem anderen als sich selbst dadurch geschadet hat.

Betrachten wir die Wahrheit. Jemand sagt - unabhängig von den Konsequenzen - die Wahrheit. Führt das zu einem persönlichen Vorteil, so kann man ihm nichts anlasten. Er sagt nur die Wahrheit, es ist also "Schicksal", "Glück" oder sonstige höhere Macht, die ihn begünstigt. Ist die Wahrheit ungemütlich für jemand anderen oder ihn selbst, so ist er ein wenig höher geachtet als zuvor. Jedoch degradiert man ihn schnell, da man sich mit der Wahrheit "abfinden" muss. Er kann ja nichts dafür. Wieder sagt er nur die Wahrheit.

 

Ist das ein verschobenes Wertesystem?

Nein! - Lügen ist völlig okay. Wir leben in einer teleologischen Zeit, einer Zeit in der man auf die Ziele achtet. Kaum jemand wird sich einer allgemeinen Pflicht die Wahrheit zu sagen unterwerfen. Dabei darf man aber eines nicht aus den Augen verlieren:

Man darf nicht Lügen um sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen oder einem anderen zu schaden!

Die Bibel stellt dies sehr verknappt aber richtig dar. Man sollte immer die Wahrheisagen, lediglich wenn eine Lüge zu einem Vorteil eines Mitmenschen führt, ohne zum Nachteil eines anderen zu sein - sei es Freund oder Feind - ist sie gerechtfertigt. Diese Lügen sind äußerst selten, und hat man die Möglichkeit von ihnen geschickten Gebraucht zu machen, so soll man nicht zögern.

Macht man allerdings Gebrauch von seiner Möglichkeit das Wahre zu sagen, so möge man ohne Auslassungen und Umschweife sprechen.

23.10.11 16:15
 


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